BIEN – Basic Income Earth Network

Mission Statement

Founded in 1986, the Basic Income European Network (BIEN) aims to serve as a link between individuals and groups committed to, or interested in, basic income, i.e. an income unconditionally granted to all on an individual basis, without means test or work requirement, and to foster informed discussion on this topic throughout Europe.

Members of BIEN include academics, students and social policy practitioners as well as people actively engaged in political, social and religious organisations. They vary in terms of disciplinary backgrounds and political affiliations no less than in terms of age and citizenship. In the course of two decades, „BIEN“ has become somewhat of a misnomer, as scholars and activists from other continents have actively joined the network.

Common to all is the belief that some sort of economic right based upon citizenship – rather than upon one’s relationship to the production process or one’s family status – is called for as part of the just solution to social problems in advanced societies. Basic Income, conceived as a universal and unconditional, if modest, continuous stream of income granted throughout life to all members of a political community is just the simplest and most striking element in an expanding set of social policy proposals inspired by this belief and currently debated, if not already implemented.

To actively foster this debate, BIEN publishes a newsletter which provides an up-to-date and comprehensive international overview on relevant events and publications. It organises bi-annual BIEN-congresses where people from more than twenty countries have met to report and discuss basic income and related proposals in connection with a broad spectrum of themes, such as unemployment, European integration, poverty, development, changing patterns of work career and family life, and principles of social justice.
Next BIEN Congress
The 13th BIEN Congress will take place in São Paulo, Brazil, June 30 – July 2, 2010: www.bien2010brasil.com

Congress theme: „Basic Income: An Instrument for Justice and Peace“.

http://www.basicincome.org/bien/index.html

Solidarität mit Alfredo und Christos

Die Anarchisten Alfredo Bonanno und Christos Stratigopoulos befinden sich im Gefängnis von Amfissa, Griechenland, in Haft. Nachdem sie am 1. Oktober nach einem Banküberfall festgenommen wurden. Christos ist des bewaffneten Überfalls angeklagt und Alfredo der Komplizenschaft. Die Anwälte haben für Alfredo aufgrund seines Gesundheitszustandes eine Anfrage auf Hausarrest verfasst.
Schreibt den beiden Inhaftierten an folgende Adresse:
Tzamala 3
33100 Amfissa
Greece

Es wurde ein Spendenkonto eingerichtet, die Details werden wir in den nächsten Tagen nachreichen.
Eine Vielzahl von solidarischen Aktionen haben bereits stattgefunden: Brighton, Berlin, Athen, Villejuif, …viele weitere werden nicht lange auf sich warten lassen, bis zur Freiheit der beiden und aller Gefangener.

Weiter unten die Übersetzung eines Briefes von Christos an den neues Justizminister Ch. Kastanides vom 9. Oktober und eine Hommage von italienischen AnarchistInnen an die beiden Inhaftierten.

Revolutionäre Solidarität mit Alfredo und Christos und all denjenigen im Kampf gegen die Welt der Gefängnisse und der Banken.
Image

Offener Brief von Christos an den griechischen Justizminister

Ehrenwerter Minister Herr Kastanides

Ich bin ein Anarchist, inhaftiert im Amfissa-Gefängnis, wo ich kürzlich angekommen bin. Offensichtlich können sie dies heute verstehen, ich habe die selbe Beziehung zum Sozialismus wie sie zum Antiautoritarismus. Ich erzähle ihnen dies, da ich gerade gestern in den Fernsehnachrichten gehört habe, das Herr Giorgos Papandreou (Premierminister) seine neuen Minister gedrängt hat wie „Antiautoritäre gegenüber der Autorität zu handeln“

Was mich betrifft, ich war immer ein Unterstützer von Aktionen und nicht von oberflächlichen Geschwätz. Dies ist der Grund für mich, warum ich gerade eingekerkert bin und nicht aufgrund meiner Überzeugung.

Ich möchte sie nicht weiter langweilen, ehrenwerter Justizminister. Aber ich habe ihnen direkt zu erklären, dass ich, wenn ich in der Position dazu wäre über das System der Strafanstalten zu entscheiden, die Gefängnisse zerstören oder sie mindestens schließen würde. Ich persönlich träume von anderen Wegen der sozialen Wiedergabe der sogenannten Gerechtigkeit. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie eine Position haben, die diese Entscheidungen des System der Strafanstalten unterstützt.

Allerdings habe ich sie darüber zu informieren, falls sie davon unwissend sind, dass die griechischen Gefängnisse und speziell das Amfissa-Gefängnis, in welchem ich mich gerade befinde, nur einen Schritt entfernt sind von den Nazi-Konzentrationslagern oder den ähnlichen Lagern, welche im sogenannten Ostblock existiert haben. Ein Besuch als neuer Justizminister würde ihnen zeigen, dass ich die Wahrheit sage, da bin ich mir sicher.
Um diesen Brief zu beenden, möchte ich eine letzte Frage an sie richten: Was gedenken sie zu tun mit den momentanen Zuständen in den griechischen Gefängnissen? Werden sie fortfahren die Leute wie Ratten einzusperren oder sind sie fähig, ich sage nicht menschliche, aber mehr akzeptablere Bedingungen für alle Eingesperrten zu schaffen?

Vielleicht ist es ihnen die Tatsache bewusst, dass ihre Gefolgschaft ihrer Gesetze dieses spezielle Gefängnis in Amfissa als Krematorium bezeichnen.

Nach tiefgründiger Überlegung,
Christos Stratigopoulos

griechischer Anarchist

Über zwei Anarchisten und einen Bankraub in Griechenland

Dies sind alte Geschichten, aus einem anderen Jahrhundert. Zwei Anarchisten werden verhaftet nach einem Bankraub. Der erste raubte es, mit der Waffe in der Hand. Sie sagen, der zweite hätte ihm geholfen das Geld zu nehmen. Es geschah in einer kleinen griechischen Ortschaft, am letzten 1. Oktober. Also? Dies sind Geschichten die passieren. Und dann ist das ein Land, welches weit weg ist, mit einer unverständlichen und unübersetzbaren Sprache. Wer soll daran interessiert sein? Der Räuber ist Christos Stratigopulos, bereits verhaftet und verurteilt wegen einer gleichartigen Anschuldigung in Italien vor 15 Jahren. Die Strafe abgesessen kehrte er nach Griechenland zurück. Erinnert von einigen, unbekannt von den meisten. Aber der andere Verhaftete ist Italiener; es ist Alfredo Bonanno. Ja, genau er; wer hat nicht seinen Namen gehört? Klein angefangen ging die Nachricht schnell um die Welt, weitergetragen von vielen Presseagenturen: „einer der wesentlichen Theoretikern des aufständischen Anarchismus“, „unter den bedeutendsten Ideologen der Anarchie“, „anarchistischer Aktivist und Autor“, „internationaler flüchtiger anarchistischer Räuber“, „Theoretiker der revolutionären Gewalt“, ist hinter Gittern gelandet. Die Befürworter des Antiterrorismus, griechische und italienische, sind vorgestürmt, fertig um die saftige Angelegenheit auszubeuten. Die Elemente, um einen ausgezeichneten Lehrsatz zusammenzubrauen sind gegeben: ein Land, in dem unentwegt Feuer flackern nach dem großartigen aufständischen Flächenbrand, welcher aufbrauste im letzten Dezember; ein griechischer Anarchist aktiv in der Bewegung; ein ausländischer Anarchist, bekannt für seine subversiven Theorien, der um die Welt reist, um Treffen abzuhalten; eine ausgeraubte Bank.

Christos hat die volle Verantwortung für den Akt übernommen, verursacht durch ökonomische Probleme, Alfredo’s Beteiligung leugnend. Aber, ohne Frage, der Richter glaubte ihm nicht. So befinden sich beide im Knast. Der Erste, weil er es gewagt hatte eine Hand gegenüber dem Wohlstand auszustrecken als sich selbst in Elend sterbend aufzugeben. Was noch wichtiger ist, er ist ein Anarchist. Der Zweite weil…weil…weil er vielleicht seinem Gefährten helfen wollte. Und, gewiss, er ist ein Anarchist. Und das reicht schon.

Dies sind alte Geschichten, aus einem anderen Jahrhundert. Zwei Anarchisten werden verhaftet nach einem Bankraub. Draußen wird Solidarität organisiert. Gelder werden gesammelt; Initiativen werden vorbereitet. Aber das ist nicht alles. In Athen bekommen die zwei Gefangenen explosive Grüße von der Gruppe Conspiracy of the Cells of Fire, welche bloß die Krönung des neuen griechischen Premiers gestört hat. In Villejuif, Frankreich, huldigte jemand seine Hommage mit dem Einwerfen der Scheiben der lokalen Büros der Sozialistischen Party. Eine der Schönheiten der Anarchie ist, dass sie keine Grenzen anerkennt. Und in Italien? Bah, hier beschränkt es sich darauf die Nachrichten zu kommunizieren, treu und kalt berichtend das journalistische Gift. Kein Kommentar. Die VerfasserInnen der täglichen virtuellen Kommunikees sagen nichts. Die Versorger der militanten Gärten verfallen in Schweigen. Die kleinen Strategen der neuen Allianzen schweigen es tot. Die Bewegung ist jetzt zu einer Gemeinschaft geworden, und jede/r der/die nicht ihre Regeln und Sprache teilt, existiert nicht. Er/ sie ist namenlos. In der Hektik den Massen zu folgen, wurden die Individuen vergessen? Möglicherweise ist es besser so. Lieber ein ehrliches Schweigen, als im Anbetracht von solch einem Akt nicht zu wissen, was zu sagen ist, als heuchlerisches Geschnatter über Solidarität. Überlasst dies den stalinistischen Belästigungen und anderen Ruinen. Oder den Faschisten des dritten Jahrtausends, welche in einem ihrer Foren des beiden inhaftierten Anarchisten ihre „Ehre“ gehuldigt haben.

Dies sind alte Geschichten, aus einem anderen Jahrhundert. Zwei Anarchisten werden verhaftet nach einem Bank Job. Der Erste ist 46 Jahre alt, der Zweite 72. Ob schuldig oder unschuldig, für sie als Anarchisten gibt es keine Ausrede des unreifen Verhalten des Extremismus. Starrsinnig wie sie sind haben sie nicht verstanden, dass jetzt die Zeit ist, um auf den Wellen der sozialen Bewegung zu reiten, um zu verteidigen, wer weiß was vor der Plätzen der Macht, um zu handeln als Sozialarbeiter für die Verdammten dieser Erde. Nein, sie haben dies nicht verstanden. Der Traum, den sie in ihren Herzen haben, ist viel zu groß, um sich dem Tick-Tock der modernen Zeit anzupassen.

Kein Pardon, kein Mitleid.

Auf Wiedersehen, schönes Lugano.
weitere Infos
http://www.abc-berlin.net

«Belgrade 6» formell angeklagt – Solidarität nötiger denn je!

Am 3. November hat die Staatsanwaltschaft in Belgrad verkündet, dass sie Anklage wegen des Deliktes des „Internationalen Terrorismus“ gegen sechs inhaftierte Mitglieder der Gewerkschaft ASI und andere erheben will. Gleichzeitig wurde die Untersuchungshaft für die «Belgrade 6» um einen weiteren – den dritten – Monat verlängert.

«Belgrade 6» formell angeklagt – Solidarität nötiger denn je!

Wir bitte alle LeserInnen, Protestbriefe zu versenden und sich an den anstehenden Aktionen zu beteiligen. Weitere Informationen folgen in den nächsten Tagen.
Zum Hintergrund:

Am 3. und 4. September 2009 verhaftete die serbische Polizei fünf GenossInnen der „Anarhosindikalisticka inicijativa“ (ASI-IAA). Direkt im Anschluss an die Verhöre, die unter abenteuerlichen Bedingungen und Erpressungen zustande kamen, verfügte das Belgrader Bezirksgericht eine zunächst dreißigtägige Untersuchungshaft unter der Anschuldigung, die Verhafteten hätten „einen Akt von internationalem Terrorismus“ begangen. Es scheint sich dabei um einen versuchten Angriff mit einer Brandflasche auf die griechische Botschaft in Belgrad zu handeln. Die serbische Politik versucht nun offensichtlich auf Drängen der EU irgendeinen Fahndungserfolg zu präsentieren und „bedient“ sich dabei bei der in Serbien durch ihre sozialen Kämpfe bekannten und öffentlich auftretenden ASI. Die uns bislang bekannten Umstände lassen einen umfassenden Kriminalisierungsversuch befürchten. Zu den derzeit bekannten Hintergründen nachfolgend ein Bericht der anarcho-syndikalistischen „Hängematte“ aus Österreich, den wir um eigenen Recherchen ergänzt haben.

Am Donnerstag Morgen versuchte die Polizei in Belgrad zwei Hausdurchsuchungen durchzuführen. Bei unserem Genossen Tadej Kurepa wollten sie ohne gültigen Durchsuchungsbefehl in die Wohnung eindringen. Tadej verweigerte dies und wurde von der Polizei „gebeten“ auf die Wache mitzukommen um dies dort zu Protokoll zu geben. Statt des angekündigten Protokolls wurde er auf der Polizeistation festgenommen. In der Wohnung unseres Genossen Ratibor Trivunac konnte eine Hausdurchsuchung ebenfalls nicht durchgeführt werden, da Ratibor nicht zuhause war. Er wurde von der Polizei angerufen auf die Polizeistation zu kommen um ein Protokoll zu machen. Dort wurde er dann ebenfalls festgenommen. Noch bedenklicher wurde die Vorgangsweise bei Ivan Vulovic. Ivan war nicht zuhause – dafür sein Vater. Darauf hin nahm die Polizei kurzerhand Ivans Vater fest und informierte Ivan telefonisch, daß sein Vater erst freigelassen wird, sobald Ivan sich in festnehmen lässt, …

Mittlerweile ist auch bestätigt daß eine vierte Genossin – Sanje – festgenommen ist. ebenfalls gibt es eine fünfte festgenommene Person aus Belgrad, die jedoch niemand in der ASI kennt. Ivan ist Epileptiker und hatte Donnerstag Abends auf der Polizeistation noch einen heftigen Anfall.

Die Vorgeschichte dürfte mit einem Molotovkocktail auf die Griechischen Botschaft in Belgrad begonnen haben. Dieser soll am 25.8. von einer anonymen Gruppe „Crni Ilija“ in Solidarität mit dem im Hungerstreik befindlichen und zwischenzeitlich aus der entlassen griechischen Anarchisten Thodoros Iliopoulos, geworfen worden sein. Thodoros saß seit der Revolte die im Anschluß an den Mord am 15-jährigen Alexis, wochenlang in Griechenland stattfand, in Haft.

Alle Vorwürfe und die Verhaftungen dürften mit diesem einen Molotovkocktail begründet werden. Denn bereits am nächsten Tag hatten die serbischen Medien die Schuldigen ausgemacht. Die einzige offen bekennend libertäre Organisation in Serbien – die Anarchosydikalistische Gewerkschaft ASI – wurde mit dem Molotovkocktail in Verbindung gesetzt. Bereits am 27. informierte die ASI weltweit GenossInnen, daß die serbischen Medien eine richtiggehende Kampagne gegen die ASI und namentlich gegen Ratibor fahren.

Alle fünf Menschen befinden sich in Polizeigewahrsam und werden morgen Samstag, nach Ablauf der 48-Stundenfrist, einer UntersuchungsrichterIn vorgeführt, die über eine mögliche Untersuchungshaft entscheidet. Die Polizei verhaftete Alle wegen „Verursachung öffentlicher Gefahr“ und scheint tatsächlich eine gleichlautende Anklage zu konstruieren.

Zusätzlich brisant ist, daß die ASI derzeit mit dem Sekretariat der IAA- der anarchosyndikalistischen „Internationalen ArbeiterInnen Assoziation“ betraut ist und Ratibor Trivunac derzeit Generalsekräter der IAA ist.

Es bleibt abzuwarten, ob das serbische Gericht morgen die unglaublichen Methoden der Polizei decken wird und Untersuchungshaft über unsere vier GenossInnen und den Unbekannten ausspricht. Die ASI bemüht sich jedenfalls um Anwaltliche Unterstützung der Festgenommenen und auch das IAA-Sekretriat wird von den weiteren GenossInnen betreut und ist erreichbar.
Spendet für die serbischen Anarchosyndikalist/innen

SWIFT: RZBSRSBG
Bank: RAIFFEISEN BANKA AD,
Bank-Adresse: Bulevar Zorana Djindjica 64, Beograd, Serbien (Republika Srbija), Tel. +381 11 3202 100, Fax +381 11 2207 080, http://www.raiffeisenbank.rs/

Konto-Nr. / IBAN: RS35265050000016043150,
Kontoinhaber: MILAN (MILUTIN) STOJANOVIĆ,
Inhaber-Adresse: Senje

Mehr Infos auf http://asi.zsp.net.pl/
UnterstützerInnen/Proteste/Aktionen:
(unvollständige übersicht)

Mittlerweile fordert auch die serbische NGO „Center for Civil Society Development (CRCD)“ die Freilassung der Inhaftierten und die Eintstellung des Verfahrens, denn diese hätten mit internationalem Terrorismus nichts zu tun und die vorgeworfene Tat ebenfalls nicht.
(http://asi.zsp.net.pl/)

Die Wobblies (IWW) aus Winnipeg / Kanada haben einen Offenen Brief an das Serbische Konsulat geschrieben (http://asi.zsp.net.pl/).

Und in Paris hat die CNT-IAA am 17.10. eine Protestversammlung organisiert:
http://www.cnt-ait.info/article.php3?id_article=1726

- St. Petersburg, RUS (http://asi.zsp.net.pl/action-in-petersburg/),
- Bern, CH (http://asi.zsp.net.pl/protests-in-bern/)
- Madrid, ES (http://asi.zsp.net.pl/protest-in-madrid/)
- Triest, IT (http://asi.zsp.net.pl/solidarity-graffiti-in-trieste/)

Am 20.09. gab es einen Protest vor der serbischen Botschaft in Budapest und es wurde ein Protestbrief veröffentlicht.

Proteste vor serbischen Botschaften und Konsulaten in Frankfurt am Main, Skopje (Mazedonien) und Bratislava (Slowakei)

Solidaritätskundgebungen vor serbischen Botschaften und Kosulaten, unter anderem in Sofia (Bulgarien), Athen und Komotini (Griechenland), Berlin und Den Haag (Niederlande).
„Intellektuelle verteidigen Anarchisten“

Die österreichische Solidaritätsseite mit den gefangenen serbischen AnarchosyndikalistInnen hat eine deutsche Übersetzung der solidarischen Stellungnahme serbischer Intellektueller veröffentlicht.

Hier ist jener Brief den die „Intellektuellen“ geschrieben haben, auf deutsch übersetzt. Der Text ist wichtig, weil dieser der einzige Kritische ist, der in der Öffentlichkeit zu diesem Thema erschienen ist und weil er von Menschen geschrieben wurde, deren Meinung in der (serbischen) Gesellschaft wichtig ist. Dieser Text ist in fast allen Zeitungen unter dem Titel „Intellektuelle verteidigen Anarchisten“ erschienen.

„Mit diesem Brief wollen wir unsere Besorgnis wegen der Ankündigung der staatlichen Verfolgungsorgane zeigen, die eine Anklage wegen internationalen Terrorismus gegen die sechs Verdächtigen für den neulichen Angriff an der griechischen Botschaft in Belgrad mit ‚Moltov Cocktails‘ erheben wollen.

Ohne diese Tat zu rechtfertigen wollen, halten wir es für unsere Pflicht aufzuzeigen, dass aus politischen Hintergründen hier mit zweierlei Maß gemessen wird, und dass dies verheerende Auswirkungen auf die weitere Entwicklung unsere Gesellschaft haben könnte.

Es ist nicht so lange her, dass es während des Protestes am 21. Februar 2008, nach der Proklamation der Unabhängigkeit des Kosovos, die Botschaft der Vereinigten Staaten Amerikas in Belgrad angezündet worden ist. Das Gebäude der Botschaft wurde durch einen Brandanschlag schwer beschädigt, während einer der Angreifer sein Leben verloren hat. Nur ein Teilnehmer des Angriffs wurde verhaftet und ist für die schwere Tat der ‚Gefährdung der allgemeinen Sicherheit‘ angeklagt worden.

Hingegen diesem Fall, charakterisieren die staatlichen Organe das Zerbrechen von einem Fenster an dem leeren Gebäude der griechischen Botschaft, das mit zwei angezündeten Flaschen, die keinen Brand verursacht haben, als einen ‚Akt des internationalen Terrorismus‘, welcher in dem Strafgesetz der Republik Serbien direkt neben der Durchführung von Genoziden, Kriegsverbrechen und Anführung eines aggressiven Kriegs steht.

Es gibt die Befürchtung, dass die paradox unterschiedliche Positionierung der Verfolgungsorgane in diesen zwei Fällen politisch bedingt ist, und dass dies das Bestreben der aktuellen Regierung ist, um seine Popularität beim nationalistisch orientierten Teil der Wähler zu verstärken. Dies fördert auch chauvinistische und rechtsextremistische Tendenzen in unserer Gesellschaft, wie diese die ohne größerer rechtliche Folgen Anfang 2008 im oben beschriebenen Brandanschlag der Botschaften in Belgrad bei den Angreifern ausschlaggebend war. Gerade aus diesen Gründen wenden wir uns an die Öffentlichkeit und die zuständigen staatlichen Organe, in der Hoffnung, dass wir dazu beitragen, dass Gesetze bei jeden Teilnehmer der Gesellschaft gleichermaßen durchgeführt und an der Seriosität der Tat bemessen werden.“

Zaga Golubovic, Želimir Žilnik, Todor Kuljic, Vladimir Ilic, Boris Dežulovic, Sonja Drljevic, Ljubomir Živkov, Vladimir Arsenijevic.

links

Homepage der Gewerkschaft ASI:
http://www.inicijativa.org

(Englischsprachige) Kampagnen-Website des Centrum Informacji Anarchistycznej aus Kroatien
http://cia.bzzz.net/english_news

Informationen der spanischen CNT:
http://www.cnt.es/node/1370

Es gibt mittlerweile eine Themenseite zu den Belgrader Sechs bei libcom.org.

Bürgerliche Medien:

Austria Presseagentur zum „Anschlag“
http://derstandard.at/1250691221426/Anarchisten-bekennen-sich-zu-Anschlag-auf-griechische-Botschaft

Ein symbolischer Artikel einer serbischen Zeitung:
http://www.pressonline.rs/page/stories/sr.html?view=story&id=77658&sectionId=37]

NEVER TRUST A COP

Gegen den COP15 Gipfel im Dezember 2009 in Copenhagen

Die Katastrophe ist real – Klimawandel ist eines ihrer vielen Symptome. Das unvermeidbare Gipfel-Gerede vom „Retten der Welt aus der Klimakrise“ ist eine ausgefuchste Tarnvorrichtung des eigentlichen Zwecks des COP15: Die Legitimität des globalen Kapitalismus durch Einläuten einer Ära des „grünen“ Kapitalismus wieder herzustellen, eine neue Rhetorik vom „Retten des Klimas“ zur Rechtfertigung ihrer Repression, ihrer aufgerüststen Grenzen, ihrer kolonialen Ressourcenkriege. Des Kaisers neue Kleider. Unsere Antwort auf diese erstaunliche Lüge ist ein kompromissloses, absolutes NEIN zu ihrem System.

Es muss weit mehr erschüttert werden als unsere Urlaubsgewohnheiten, um die Welt für kommende Zeiten zu erhalten. Es wäre bescheuert, unsere Hoffnungen genau auf diejenigen zu setzen, die damit fortfahren den Planeten für Geld zu zerstören. In Copenhagen werden sie darüber diskutieren, wie sie einen ordentlichen Markt schaffen können, auf dem die Biosphäre als Ware gehandelt und weiter verdreckt werden kann. Ein Markt, der Millionen Menschen ihres Landes berauben wird, um aus der Zerstörung dessen Profit zu schlagen, was von unserer Erde noch übrig ist. Regierungen und Konzerne werden ihr Wachstum nicht für die Verringerung des CO2-Ausstoßes opfern; und wenn sie es tun, dann nur, um ein neues autoritäres Regime zu errichten.

Die ganze Rhetorik von „Klimakrise“ und „Finanzkrise“ ist ein zynisches Manöver staatlicher Schönredner_innen, um die allumfassende Krise der selbsternannten Zivilisation zu leugnen. Der COP15 wird lediglich versuchen den Krieg zu verbergen, den der Kapitalismus gegen alles Leben auf dem Planeten führt; einen Krieg, der sich über die letzten 500 Jahre auf dem gesamten Globus ausgebreitet hat; einen Krieg, der heute die Gesamtheit selbst der Ozeane und der Atmosphäre umfasst. Inmitten des Krieges redet man nicht über Management und „technische Lösungen“. Du kannst einen Krieg nicht bekämpfen, indem du so tust, als gäbe es ihn nicht; indem du dir von der Repression Scheuklappen anlegen lässt und zur Komplizin wirst, wenn du das falsche Versprechen einer kleinbürgerlichen Ruhe akzeptierst. Statt dessen geht es darum den Feind zu erkennen. Position zu beziehen. Zu kämpfen.

Nur wenn wir uns von denjenigen befreien, die beanspruchen uns zu repräsentieren und die Ideologie des endlosen ökonomischen Wachstums, der industriellen Produktion und des Konsums besiegen können wir Kontrolle über unser Leben und den Planeten erlangen. Es ist Zeit festzustellen, dass wir die Strukturen, welche den COP15 unterstützen in vollem Bewusstsein angreifen werden: Wir werden ihre Polizeiketten durchbrechen; wir werden uns weigern mit kriegstreiberischen Regierungen und eingebetteten Medien zu verhandeln; wir werden uns weigern, mit ausverkauften NGOs und all den Möchtegern-Managern des Protests gemeinsame Sache zu machen; wir weisen alle Regierungen und alle Formen von Governance zurück und wollen nicht lediglich die gegenwärtigen delegitimieren. Es ist an der Zeit festzustellen, warum wir denken, dass ein Aufstand nötig ist, um tatsächlich mit dem Change anzufangen, nach dem sich alle so verzweifelt sehnen. Im gemeinsamen Handeln in fundamentaler Opposition gegen die Herrschenden bekommen wir vielleicht eine kleine Ahnung vom Reichtum und den Möglichkeiten, die sich auftun, wenn Ideen, Erfahrungen und Konzepte von Menschen überall auf der Welt geteilt werden.

Voran mit den Internationalen Brigaden, es ist Sozialer Krieg, nicht Klimachaos!

Aufständischer Anarchismus

Beim Aufständischen Anarchismus (Insurrektionalistischer Anarchismus) handelt es sich um eine anarchistische Strömung aus Italien, die dem Autonomismus deutschsprachiger Prägung (zu unterscheiden vom Operaismus) ähnelt.

Hintergrund ist eine Stellungnahme der Federazione Anarchica Italiana (F.A.I.), in der sie sich in einem Paper gegen Gewalt ausgesprochen haben.Dies wurde von militanten AnarchistInnen als Entsolidarisierung gewertet und Position gegen die FAI und die Idee der Organisierung in Föderationen und revolutionären Gewerkschaften wie Internationale ArbeiterInnen-Assoziation und Industrial Workers of the World mit regelmäßigen Kongressen generell bezogen; ähnlich CrimethInc. und eben den Autonomen wird die Organisierung in Affinity Groups (Bezugsgruppen) bis hin zur Organisierung in nichtanarchistischen Organisationen und Gewerkschaften propagiert.

Damit ist das im Grunde ein Gegenentwurf zum Plattformismus; von den InsurrektionalistInnen wird die FAI in einem Papier wider der Tatsache als plattformistisch bezeichnet. Es wurde ein Gegensatz zu direkter Aktion und anarchistischem Förderalismus konstruiert. Die FAI wie auch die anderen Föderationen handeln weiterhin mittels Direkter Aktion. Außer der italienischen hat sich keine Föderation gegen Gewalt ausgesprochen oder sich von militanten AnarchistInnen distanziert.

Der Insurrektionalismus hat sich daraufhin in den englischen Sprachraum sowie in der Theorie nach Deutschland ausgebreitet, wo er im Grunde eine Revitalisierung des Autonomismus unter neuem Label darstellt.

HaupttheoretikerInnen des Aufständischen Anarchismus sind Wolfi Landstreicher und Alfredo M. Bonanno. In den Vereingten Staaten ist der aufständische Anarchismus eng mit dem Primitivismus und grünem Anarchismus verzahnt.

Lasst uns die Arbeit zerstoeren

Alfredo Bonanno:

http://www.scribd.com/doc/3966688/A-BonannoLasst-uns-die-Arbeit-zerstoeren

Bedingungsloses Grundeinkommen Eine Antwort auf die Krise – ein Weg in die Zukunft

Wir, die Unterzeichner, rufen dazu auf, bei der diesjährigen Aktionswoche zum bedingungslosen Grundeinkommen mitzuwirken. Zeichnen Sie den Aufruf mit und unterstützen Sie die Aktionswoche. Sie soll einen Beitrag dazu leisten, die Diskussion über die Idee eines bedingungslosen Grundeinkommens in die breite Öffentlichkeit zu tragen. Sie soll dabei helfen, aufzuzeigen, dass sich mit einem bedingungslosen Grundeinkommen im Rücken viele Fragen und Probleme, vor denen wir heute stehen, ganz anders darstellen würden. Gerade angesichts der Wirtschafts- und Finanzkrise ist das individuelle Recht auf ein Existenz sicherndes Grundeinkommen, das gesellschaftliche Teilhabe ermöglicht, ein wichtiges Signal, das neue Chancen und Möglichkeiten eröffnet.

Interessierte können sich über die Website www.woche-des-grundeinkommens.eu informieren und ihre Aktivitäten dort veröffentlichen. Dort kann auch online mitgezeichnet werden. Die Seite dient zur Information über Veranstaltungstermine, als Ideenbörse sowie zum Austausch über Veranstaltungsformen – Events, Workshops, Vortragsveranstaltungen, Podiumsdiskussionen, Demonstrationen, künstlerische Aktionen, Filmvorführungen. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt!

Neue Wege erfordern Engagement. Machen Sie mit, bringen Sie sich dort ein, wo Sie leben. Lassen Sie uns gemeinsam darüber nachdenken und diskutieren, welchen Beitrag ein bedingungsloses Grundeinkommen zu einem freiheitlich-demokratischen und solidarischen Zusammenleben leisten kann!

Die Liste aller bisherigen Unterzeichner findet sich auf:
www.woche-des-grundeinkommens.eu

Plattform der Initiative für Globale Soziale Rechte

Der bloße Verweis auf die Globalisierung genügt nicht mehr, um neoliberale Reformen als alternativlos darzustellen und durchzusetzen. Die herrschende Politik und ihre Medien entdecken ihr „soziales Gewissen“ und wollen Globalisierung endlich auch „sozial gestalten“. Das ist auch den Protesten von Seattle, Genua und Heiligendamm zu verdanken. Doch noch ist die Opposition zersplittert, beschränken sich soziale Bewegungen, Gewerkschaften und NGOs zu sehr auf den eigenen Bereich und das eigene Klientel. Dem entspricht, dass die zentralen Losungen der Jahre nach Seattle – „Eine andere Welt ist möglich!“ und „Fragend schreiten wir voran!“ – an provokatorischer Kraft verloren haben: Nicht, weil sie falsch geworden wären, sondern weil der Stand der Bewegungen und Kämpfe wie die Dringlichkeit der ihnen gestellten Probleme mehr verlangt.
Dabei zieht sich durch von einander scheinbar unabhängige, jedenfalls getrennt ausgetragene Auseinandersetzungen ein roter Faden, der sie untergründig miteinander verbindet und vielleicht das Potenzial eines gemeinsamen Projektes birgt: Geht es doch in ganz verschiedenen Initiativen nicht nur auf den ersten Blick darum, der Globalisierung des Kapitals, der Märkte und der Waren mit einer Globalisierung der Sozialen Rechte zu begegnen.

1.

So diskutieren entwicklungspolitische NGOs die Forderung nach einem universellen Mindesteinkommen, mit dem sich jeder Mensch am Ort seines Lebens täglich drei Mahlzeiten kaufen kann. Sie schlagen damit eine heute schon mögliche Lösung für den augenfälligsten Skandal des Globalisierungsprozesses vor, den Skandal, dass in einer Welt, die Nahrungsmittel nachweislich im Überfluss produziert, fast eine Milliarde Menschen vom Hungertod bedroht sind. Indem diese NGOs ein solches universelles Mindesteinkommen in der Form einer jedem Menschen zustehenden Zahlung einfordern, artikulieren sie einen Globalen Sozialen Rechtsanspruch auf eine – nur im Rahmen eines Ressourcentransfers vom Norden in den Süden einzulösende – weltgesellschaftliche Garantie des individuellen Überlebens aller. Derselbe Anspruch wird auch mit anderen Forderungen wie der nach einem rechtlich garantierten weltweit gleichen und freien Zugang aller zu Gesundheit erhoben. In der Konfrontation mit einem besonderen Problem entwerfen sie derart das Bild einer möglichen Welt, die im Verhältnis zur heute bestehenden nicht nur für die unmittelbar Betroffenen eine ganz andere Welt wäre.
2.

Unter den Bedingungen einer strukturellen Massenarbeitslosigkeit und der beständigen Erpressung durch transnational operierende Konzerne sehen sich heute noch national organisierte Gewerkschaften zunehmend genötigt, ihr betriebliches und politisches Handeln auf internationaler und globaler Ebene abzustimmen. In länderübergreifenden Kooperationen versuchen sie deshalb, gemeinsame Standards als konzernweit bindende Vereinbarungen durchzusetzen. Sie wollen so eine strategische Antwort auf den Umstand finden, dass sich die global entfesselte Konkurrenz der Kapitale bisher zwangsläufig in eine Konkurrenz der nationalen Interessenvertretungen von ArbeiterInnen und Angestellten übersetzen musste. Indem sie die sozialen Rechte der Lohnabhängigen als zuletzt nur noch global durchzusetzende soziale Rechte artikulieren, tragen sie aus ihrer Perspektive zu einem umfassenden Prozess der Globalisierung der Sozialen Rechte aller bei.
3.

Globale Soziale Rechte setzt aber auch der Anspruch der MigrantInnen auf weltweite Bewegungs- und Niederlassungsfreiheit auf die Tagesordnung. Das stellt nicht nur Grenzen und soziale Hierarchien, sondern sämtliche nationalstaatlich-protektionistischen und noch die auf den europäischen Raum erweiterten Politikkonzeptionen in Frage. Die Widersprüche unter den Lohnabhängigen spitzen sich im Verhältnis zum Rechtsanspruch der MigrantInnen noch einmal zu. Das ist kein Zufall, weil sich die Ambivalenzen des Globalisierungsprozesses in der Figur der MigrantIn und den Strategien der selektiven Ein- und Ausgrenzung verdichtet, der sie unterworfen werden soll.
4.

Die Komplexität eines Projektes für Globale Soziale Rechte scheint sich nochmals zu vervielfachen, sobald die unumgänglichen ökologischen Fragen einbezogen werden. Was bedeutet Globale Ökologische Gerechtigkeit, wenn die klassischen Industrieländer die historische Schuld (nicht nur) für den Klimawandel tragen, einige Schwellenländer mittlerweile an der Schraube mitdrehen und vor allem die armen Länder von den Konsequenzen betroffen sind? Hinzu kommt die zeitliche Brisanz: Gelingt es nicht, den globalen Trend der ansteigenden CO2 Emissionen in den nächsten 10 – 15 Jahren zu brechen, drohen unkontrollierbare und unumkehrbare Folgen.
5.

Soll das Potenzial der unterschiedlichen Initiativen für eine Globalisierung Sozialer Rechte wirklich freigesetzt werden, kann es nicht um das freihändige Erstellen eines Katalogs der Wünschbarkeiten gehen, sondern nur um einen offenen Austausch über die inneren Widersprüche der AkteurInnen einer solchen „Globalisierung von unten“. Es ginge dann, um mit der Ökologie zu beginnen, um die Frage, wie Entwicklung und Wachstum aus unterschiedlichen Blickwinkeln definiert und zu den ökologischen Grenzen ins Verhältnis gesetzt werden können. Zur Disposition gestellt wird dann ein Lebensstil, der aus ökologischer Verantwortung nicht globalisierbar ist, obwohl global nach ihm gestrebt wird. Um ein Beispiel zu geben: das Recht auf globale Mobilität lässt sich über die Vervielfachung der dominanten Verkehrsformen (vom Auto bis zum Flugzeug) auch dann nur um den Preis einer ökologischen Katastrophe umsetzen, wenn weitere technologische Fortschritte unterstellt werden. Sollen Individualverkehr und Reisen aber nicht das Privileg einer begüterten Minderheit bleiben, scheint eine Lösung nur im Verzicht zu liegen, der faktisch von den globalen Mittelklassen, also von uns zu leisten wäre. Oder suchen und setzen wir auf „die ganze Bäckerei“, auf gänzlich neue Verhältnisse, in denen wir das gute Leben mit einem global verträglichen Ressourcen- und Energieverbrauch neu erfinden können und müssen? „Win-Win“-Situationen stellen sich jedenfalls selten automatisch her. Im Gegenteil: Die vorherrschende Standortlogik setzt auf Konkurrenz und gegenseitiges Ausspielen zugunsten höherer Ausbeutungsraten, und das nicht nur zwischen globalem Süden und Norden, sondern auch zwischen Betrieben, die zum gleichen Firmenimperium gehören und oft sogar im gleichen Land angesiedelt sind. Werden dabei fest angestellte Lohnabhängige gegen Leih- und ZeitarbeiterInnen und natürlich gegen die schon Erwerbslosen in Konkurrenz gesetzt, verschärft sich das System der Spaltungen noch einmal im Verhältnis der „einheimischen“ Lohnabhängigen zu den migrantischen ArbeiterInnen. Außer Sicht gerät dabei, dass die MigrantInnen aus der berechtigten Suche nach einem besseren Leben gegen ein absichtsvoll konstruiertes Lohngefälle und ein Grenz- und Visaregime wandern, das sie nötigt, sich „illegal“ und nahezu rechtlos in genau den Niedriglohnsektoren durchzuschlagen, in die zugleich die Zeit- und LeiharbeiterInnen und natürlich auch die Erwerbslosen hineingezwungen werden.
6.

Soll der Widerstand gegen diese Spaltungen nicht nur auf die abstrakte Einsicht gegründet werden, dass alle ArbeiterInnen und Angestellte trotz der sie trennenden Status-, Landes- bzw. Staatsgrenzen Glieder der Verwertungskette ein und desselben transnational operierenden Kapitals sind, muss in der alltäglichen Gewerkschaftsarbeit erfahrbar werden, dass es nicht die migrantischen, nicht die Leih- und Zeitarbeiter und nicht die Erwerbslosen sind, die für das Vorliegen solcher Arbeitsverhältnisse und deren Effekte auf dem weiteren Arbeitsmarkt verantwortlich sind. Deshalb kommt den inner- wie außergewerkschaftlichen Ansätzen große Bedeutung zu, in denen sich Menschen mit und ohne Erwerbsarbeit oder ArbeiterInnen mit und ohne Papiere jeweils gemeinsam für ihre Rechte organisieren. Dass einerseits Flucht und Migration zu einem wachsenden Anteil mit ökologischen Verwüstungen im globalen Süden zusammenhängen und dass andererseits eine gerechte Verteilung der Ressourcen vielen Menschen im Süden ein „Recht zu bleiben“ ermöglichen würde, deutet dann auf weitere Verknüpfungen und potenzielle Gemeinsamkeiten vermeintlich partikularer Interessen hin. Es entspricht allerdings der Tiefe und Schärfe der materiellen und symbolischen Trennungen, dass die Kommunikation nicht nur zwischen den unmittelbar Betroffenen, sondern auch zwischen ihren Organisationen bzw. Repräsentationen erst noch zu stiften oder jedenfalls zu vertiefen sind: zwischen verschiedenen (meist noch) national organisierten Gewerkschaften, Selbstorganisationen der prekär Beschäftigten, der Erwerbslosen und der MigrantInnen, Netzwerken der antirassistischen Solidarität und entwicklungspolitischen sowie ökologisch orientierten NGOs. Ein Medium solcher Kommunikation sind dabei die Sozialforen der globalisierungskritischen Bewegung.
7.

Die Diskussion über die unterschiedlichen Eigenlogiken der Handlungsfelder von AktivistInnen sozialer Bewegungen, MitarbeiterInnen von NGOs und GewerkschafterInnen ist ein erster Schritt, um gemeinsame Interessen und unter ihnen das besondere Interesse an einer gemeinsamen Politik Globaler Sozialer Rechte zu definieren. Für einen solchen Anfang im Prozess der „Bewegung der Bewegungen“ ist viel gewonnen, wenn verständlich wird, dass und wie es allen Beteiligten bei allen Unterschieden und Widersprüchen um die unabweisliche Notwendigkeit geht, soziale Rechte nicht mehr nur in nationalen Grenzen, sondern in weltweiter Geltung zu erstreiten. Weltweit, sofern sie zuletzt überall, und weltweit, sofern sie dann in jedem einzelnen Land für alle gelten werden.

Anarchie ohne Adjektive

Anarchismus ohne Adjektive (von sp. anarquismo sin adjetivos) bezieht sich in den Worten des Historikers Esenwein auf eine „Form des Anarchismus‘ ohne Bindestrich, also eine Lehre ohne beschreibendes Etikett wie kommunistisch, kollektivistisch, mutualistisch oder individualistisch. Für andere wurde [er] einfach verstanden als Einstellung, die Koexistenz der verschiedenen Anarchistischen Schulen tolerierte.“ Fernando Tarrida de Marmól veröffentlichte 1890 in der Zeitschrift „Revolté“ einen Artikel diesen Titels und begründete so diese Strömung. Weitere wichtige Vertreter waren Voltairine de Cleyre, Errico Malatesta und Max Nettlau.

Ursprung

Der Begründer des Begriffs war der in Kuba geborene Fernando Tarrida del Mármol. Er nutze ihn im November 1889 in Barcelona. Er sprach mit diesem Ausdruck die kommunistischen und kollektivistischen Anarchisten Spaniens an, die zu dieser Zeit eine intensive Debatte über die Verdienste ihrer Theorien führten. Anarchismus ohne Adjektive war ein Versuch, größere Toleranz in die verschiedenen anarchistischen Strömungen zu bringen und klar zu machen, dass Anarchisten nicht jedem einen vorgefertigen Wirtschaftsplan auferlegen sollten, nicht einmal rein theoretisch. Anarchisten ohne Adjektive neigten dazu, alle anarchistischen Wirtschaftsmodelle als fehlerhaft zurückzuweisen, oder sie alle in pluralistischer Haltung bis zu gewissen Grenzen aufrechtzuerhalten, so dass diese sich an einander messen lassen könnten. Die ökonomische Frage an sich wird von diesen Anarchisten auch als zweitrangig auf dem Weg betrachtet, alle Autorität abzuschaffen. Freies Experimentieren sollte hingegen eine der Grundrichtlinien der freien Gesellschaft werden.

Geschichte

Die als „anarquismo sin adjetivos“ bekannte theoretische Perspektive war das Nebenprodukt einer intensiven Debatte innerhalb der anarchistischen Bewegung. Die Ursprünge können in der Entwicklung des kommunistischen Anarchismus nach Bakunins Tod 1876 angesetzt werden. Dieser war nicht vollständig andersartig als der kollektivistische Anarchismus Bakunins, da dessen Vertreter, wie schon James Guillaume in seinem bekannten Werk „On Building the New Social Order“ anmerkte, seine ökonomische Entwicklung hin zum anarchistischen Kommunismus auffassten. Kommunistische Anarchisten entwickelten, vertieften und bereicherten Bakunins Arbeit ebrenso wie Bakunin Proudhons Theorie entwickelte, vertiefte und anreicherte. Kommunistischer Anarchismus wurde mit den Anarchisten Elisée Reclus, Carlo Cafiero, Errico Malatesta und als bekanntesten Peter Kropotkin in Verbindung gebracht.

Anarchokommunistische Ideen ersetzen anarchokollektivistische als Hauptströmung in Europa, außer in Spanien. Hier war die Hauptfrage nicht die des Kommunismus, obwohl sie für Ricardo Mella wichtig war, sondern die Frage nach der Abwandlung der durch den Anarchokommunismus folgenden Strategie und Taktik. Zu dieser Zeit, den 1880ern, favorisierten die Anarchokommunisten lokale militante Zellen und lehnten Gewerkschaften wegen ihrer gegen Organisationen gerichteten Haltung ab. In der Folge der Debatte über die Änderung von Strategie und Taktik kam es zu umfangreichen Diskussionen von Seiten der Anarchokollektivisten, die Organisationen und Kämpfe der Arbeiterklasse stark unterstützten.

Dieser Konflikt breitete sich von Spanien aus und die Diskussion fand ihren Niederschlag in der Pariser Zeitschrift La Revolte. Dies provozierte einige Anarchisten, mit Maltesta übereinzustimmen, der sagte „es ist für uns nicht richtig, wegen einer Hypothese in Zank zu verfallen.“ Nach und nach stimmten die meisten Anarchisten – in Max Nettlaus Worten – zu, dass „wir die wirtschaftliche Entwicklung der Zukunft nicht vorhersehen können“ und strengten sich an, ihre Übereinstimmungen statt verschiedener Visionen der zukünftigen Organisierung einer freien Gesellschaft herauszuarbeiten. Als die Zeit voranschritt, bemerkten die meisten Anarchokommunisten, dass die Ignoranz gegenüber der Arbeiterbewegung dazu führte, dass ihre Ideen von den Arbeitern nicht aufgenommen wurden, während sie dennoch ihre Verpflichtung zu den kommunistischen Idealen hochhielten und die Umsetzung eher früher als später – nach der Revolution – erwarteten.

In den USA gab es zur selben Zeit eine ähnlich gelagerte Debatte zwischen individualistischen und kommunistischen Anarchisten. Benjamin Tucker behauptete, dass Anarchokommunisten keine Anarchisten seien, während Johann Most das selbe über Tuckers Ideen von sich gab. Genau wie Mella and Tarrida die Idee der Toleranz zwischen anarchistischen Gruppen vorantrieben, kamen Anarchisten wie Voltairine de Cleyre dazu, „sich selbst einfach als ‚Anarchistin‘ zu bezeichnen und beriefen sich wie Malatesta auf ‚Anarchismus ohne Adjektive‘, da das Fehlen von Regierung sicher in vielen verschiedenen Experimenten an unterschiedlichen Orten probiert würde, um die passendste Form zu finden.“[4] Voltarine betrieb die Versöhnung der verschiedenen Schulen und schrieb in ihrem Essay Anarchism, „Da ist nichts unanarchistisches bei all [diesen Systemen], bis das Element des Zwangs sich Zugang verschafft und unwillige Personen dazu nötigt, in Gemeinschaften zu verbleiben, deren wirtschaftliche Vereinbarungen sie nicht unterstützen.“

Bekannte „Anarchisten ohne Adjektive“

Obwohl eine große Anzahl von Anarchisten auf die ein oder andere Weise unter dem Begriff „Anarchismus ohne Adjektive“ subsummiert werden könnten, haben sich nur einige weitere ausdrücklich zu ihm bekannt oder ihn propagiert. Diese sind Elisée Reclus, Sebastien Faure, Jared Zavala und in anderem als den traditionellem Anarchismus ohne Adjektive Fred Woodworth.

Die Idee der anarchistischen Föderation

Föderation betrachten wir als das Zusammenfinden freier Menschen, die Ziele und Regeln für ihr Zusammenwirken aufstellen. Der Anarchismus, dessen oberste Maxime die Herrschaftsfreiheit ist, radikalisiert den föderativen Ansatz in politischer und kultureller Hinsicht. Er ist sowohl politisches Programm als auch Lebensweise und durch eine fortwährende Infragestellung, Umorganisierung und Neubewertung aller Lebensbereiche gegen die bestehenden Verhältnisse charakterisiert – und gleichzeitig in und neben ihnen. Denn Herrschaft ist in unserem kapitalistischen, patriarchalen Gesellschaftssystem strukturell verankert.1
Ziel einer anarchistischen Föderation ist nicht, die Menschen zu befreien, indem wir die Gesellschaft radikal transformieren, sondern dass alle Menschen sich selbst (organisiert) befreien und die Gesellschaft gemeinsam transformieren.

Die Föderation soll über eine mehr oder weniger lockere Vernetzung von Einzelpersonen und Gruppen deutlich hinausgehen. Es versteht sich von selbst, dass die Art, wie wir uns organisieren, und damit die Strukturen, die wir uns geben, von allen gestaltet und kontrolliert werden. Dabei handelt jedes Individuum selbstbestimmt, beteiligte Gruppen bleiben autonom.
Wir stellen uns derzeit als einzige vernünftige Variante eine ‚synthetische‘ Föderation vor, die verschiedene anarchistische Strömungen verbindet. Wir können und wollen nicht sagen, ob etwa die anarchosyndikalistische, anarchafeministische, anarchokommunistische oder welche Strömung auch immer die beste Vorgehensweise liefern. Wir glauben vielmehr, dass eine Kombination verschiedener libertärer Ideen jenseits von Staat und Chef_in sinnvoll ist. In der Praxis können sich dann die jeweils geeigneten Ansätze herausbilden.
Der Aufbau der anarchistischen föderation berlin muss sich vor dem Hintergrund der gegenwärtigen Situation vollziehen, also im Wissen um vorhandene Widerstandsstrukturen und -kulturen. So unterschiedlich Widerstandsformen und -bereiche sind, so wichtig ist das Zusammenwirken etwa von Aneignungs- und Umsonstkampagnen, Antifaschismus, Antisexismus, Ökologie, Infoläden, Knastarbeit, (Sub)Kultur, Freiräumen, Syndikalismus und Projektanarchismus. Ebenso wichtig ist die Vermittlung unserer Ideen über unsere Szenekreise hinaus, sowie eine permanente Analyse und Hinterfragung der gesellschaftlichen Entwicklung aus einer Perspektive mit herrschaftsfreiem Anspruch. Dabei sehen wir bestehende anarchistische Organisationen und Gruppen vor Ort, etwa die Freie Arbeiter_innen Union und die Bibliothek der Freien, als Weggefährtinnen.
Unsere Arbeit, unsere Persönlichkeiten und unser Umgang mit anderen Menschen sollten immer auf gegenseitiger Hilfe, Toleranz und Herzensbildung basierern. Wir akzeptieren bei uns und anderen die Unvollkommenheit und die Prägung durch dieses System und unsere Sozialisierung in den jeweiligen Realitäten. Wir akzeptieren keine faschistoiden und totalitären Tendenzen und keine Grundhaltung, die nur den eigenen Vorteil sucht, und das eigene Wohlbefinden über das anderer stellt. Wir sind überzeugt, dass die eigene Freiheit und das persönliche Glück nur durch gegenseitige Hilfe und den Respekt der Freiheiten anderer möglich sind.
Diese Grundhaltung soll sich auch in unseren Widerstandsformen ausdrücken. Wir sind davon überzeugt, dass es viele beste Arten der Auseinandersetzung gibt. Es ist das Zusammenspiel unterschiedlicher Aktionen zu dem jeweils richtigen Zeitpunkt, das zur Aneignung und Ausdehnung von Freiheit für alle führt. Unsere Mittel und Ausdrucksformen sollen verständlich, motivierend und effektiv sein und dazu führen, dass sich herrschaftsfreie Ideen und Strukturen verbreiten. Das können Betriebe sein, die kollektiv geführt werden; politische Gruppen, die hierarchiefrei arbeiten; Lebenszusammenhänge, die sich selbst organisieren. Kreativität, Humor und Sympathie sind ebenso wichtige Elemente wie Entschlossenheit und Ungehorsam. Dabei gilt immer, dass jede_r für sich selbst entscheidet welche Form er/_/sie wählt.

Die Föderation soll über eine mehr oder weniger lockere Vernetzung von Einzelpersonen und Gruppen deutlich hinausgehen. Es versteht sich von selbst, dass die Art, wie wir uns organisieren, und damit die Strukturen, die wir uns geben, von allen gestaltet und kontrolliert werden. Dabei handelt jedes Individuum selbstbestimmt, beteiligte Gruppen bleiben autonom. Schließlich basieren unsere gesellschaftlichen Vorstellungen auf selbstorganisierten Produktions- und gerechten Verteilungsverhältnissen.

Warum Organisierung
Unsere Initiative ist der Versuch, der Bewegung für eine befreite Gesellschaft Perspektive und neue Stärke zu geben, indem wir eine Struktur schaffen, in der möglichst viele freiheitsliebende Menschen ihre Ideen und Aktivitäten einbringen können. Dazu halten wir einen hohen Grad an Organisierung, also anhaltendes und verantwortliches koordiniertes Handeln, für nötig.

Es gibt viele Gründe, sich zu organisieren. Da ist zum einen die ganz persönliche Ebene:
Deine Ideen, Kritik, Überzeugungen, deine persönliche Situation und Zukunft. Konfrontiert mit der Realität und der absehbaren weiteren gesellschaftlichen Entwicklung ergibt sich für jede_n von uns das Problem der individuellen Verortung innerhalb einer unseren Bedürfnissen und Vorstellungen fremden bis feindlichen Umwelt. Die Folge ist zwangsläufig die Konfrontation mit dem existierenden Herrschaftssystem. Ohne sich selbst die Grundlage zu entziehen, kann es uns ein selbstbestimmtes Leben außerhalb der Verwertungszwangsjacke nicht zugestehen. Als Vereinzelte sind wir sehr viel angreifbarer durch die Macht des Faktischen. Die Inszenierung von Sachzwängen und Widersprüchen lähmt unsere schöpferische Kraft und drängt uns an den Rand unserer sozialen Existenz. Gemeinsam können wir dem einen geistigen Freiraum entgegensetzen, in dem Ideen und Konzepte ent- und verworfen werden können, ein lebendiger, phantasievoller Zusammenhang, der in der Lage ist, gesellschaftliche Perspektiven zu entfalten und schließlich auch durchzusetzen. Dabei ist uns vollkommen klar, dass wir alle durch die bestehenden Herrschaftsverhältnisse geprägt sind und diese reproduzieren. Wir erwarten von uns und allen, die mit uns arbeiten wollen, sich selbst zu hinterfragen und nach den Ursachen und Auswirkungen unserer durch dieses System geprägten Verhaltensweisen zu suchen und diese zu ändern. Wir meinen unseren eigenen Rassismus, unsere Gewalttätigkeit, unsere Gleichgültigkeiten, unseren Chauvinismus, unsere Verwertungstendenzen.
Diese äußeren und inneren Kämpfe gemeinsam zu führen hätte unbestreitbare Vorteile:
Die Realität erscheint nicht mehr nur fremdbestimmt, sondern gebrochen durch die anderen, die mehr oder weniger diffus unsere Herrschafts- und Gesellschaftskritik teilen. Dieses politische Zuhause lässt uns unsere Gemeinsamkeiten spüren und ist ein nicht zu unterschätzender Faktor für eine ausdauernde Motivation, unsere gesellschaftlichen Vorstellungen leben zu wollen.
Mindestens genauso wichtig sind die praktischen Konsequenzen, die sich durch eine Bündelung und Koordinierung unserer individuellen Interessen ergeben können:
In einer Föderation kann mit größerer Wirksamkeit vorgegangen werden; es sind auch Vorhaben möglich, die die Kraft und Energie einzelner Personen und Gruppen übersteigen. Durch gegenseitige Hilfe lässt sich die bisherige Unterlegenheit überhaupt erst überwinden. Ein wichtiger Vorteil ergibt sich aus dem Austausch bzw. der gemeinsamen Nutzung von Ideen und Ressourcen, das heißt der Zugang zu materieller Ausstattung und Infrastruktur vereinfacht, die geistige Kreativität vervielfacht sich. Eine solche Verbindung und zugleich Ausweitung der Handlungsmöglichkeiten bringt auch individuelle Stärken besser zur Geltung, so dass wir unsere Kräfte effizienter einsetzen können. Als Folge und Ziel sehen wir eine größere Reichweite und bessere Wahrnehmung herrschaftsfreier Ideen über unsere Subkultur hinaus. Wir wünschen uns auch Menschen zusammenzubringen, die zwar Herrschaftsfreiheit wollen, aber bisher kaum Chancen sehen, politisch entsprechend wirken zu können.
Die Umsetzung all dieser Überlegungen wird in unseren Strukturen nur wenig angestrebt. Oft handelt es sich um Abwehrkämpfe gegen verschiedene Ausprägungen desselben Herrschaftssystems, die uns partiell in Bündnissen, bei Kampagnen und Demonstrationen zusammenbringen. Es ist in erster Linie Protestkultur, die sich oft selbst genug ist und die sich über die Ablehnung des Bestehenden definiert. Obwohl wichtiges Element emanzipatorischer Bewegung, trägt es uns zunehmend weniger. Es fehlt die Vermittlung von Visionen einer herrschaftsfreien Gesellschaft und von Wegen, die dorthin führen können und die wir selbstbewusst und offensiv vertreten.

Damit gelangen wir zur gesellschaftlichen Ebene:
Die fortschreitende Zukunftsvernichtung durch die Unterwerfung auch der letzten Lebensäußerungen und -bedürfnisse unter Kapitalinteressen zwingt uns tagtäglich Kämpfe auf. Wenn wir wirklich herrschaftsfrei leben wollen, müssen wir anstreben, eine ernst zu nehmende gesellschaftliche Kraft zu werden. Dazu benötigen wir langfristige Konzepte, die unseren Vorstellungen breite Akzeptanz verschaffen. Die sich verschärfenden Verteilungskonflikte bieten laufend neue Anlässe, um unsere Ideen zu propagieren. Schließlich basieren unsere gesellschaftlichen Vorstellungen auf selbstorganisierten Produktions- und gerechten Verteilungsverhältnissen. Diese Aufgaben können wir sehr viel besser angehen, wenn wir über Strukturen verfügen, die unserem Scharmützel/ Vorhaben einen verbindlicheren Rahmen geben.
Seit mindetsens 150 Jahren hat es immer wieder derartige Versuche gegeben, die nicht an inneren Widersprüchen, sondern blutiger Unterdrückung gescheitert sind. Die Ideologie, Menschen könnten nicht solidarisch miteinander leben, sie bräuchten dafür eine übergeordnete Autorität (Gott, König, Staat, …) ist so alt wie die Unterdrückung des Menschen durch den Menschen. Die Geschichte ist noch lange nicht am Ende, wie es nach dem Scheitern autoritärer angeblicher Alternativen verkündet wurde. Vielmehr entstehen angesichts aktueller Prekarisierung und wachsender Ausbeutung und Umweltzerstörung alte und neue Zweifel am herrschenden System. Darum sind wir überzeugt, dass es höchste Zeit ist, die Abschaffung von Herrschaft nicht nur zu fordern, sondern umzusetzen und selbstbestimmte Strukturen dagegen zu entwickeln, zu integrieren und auszubauen.
In Zeiten geringer radikaler politischer Auseindersetzung gibt es wenig kollektive Aktionen, umso mehr erscheinen anarchistische Ideen als utopisch und werden von vielen abgelehnt. Politisch Aktive sehen sich wirkungvoller vertreten in Massenorganisationen und tendieren damit zu Organisationen, die schnellen Erfolg suchen und damit autoritären Strukturen nachgeben. Unsere Aufgabe besteht darin, den herrschaftsfreien Anspruch zu propagieren und zu leben.
Das Ziel – die herrschaftsfreie Gesellschaft – liegt in weiter Ferne, ist noch Utopie. Weniger, weil die Menschen dazu nicht in der Lage wären, sondern vielmehr, weil Herrschaftsinteressen und der dazugehörige Apparat übermächtig erscheinen. Alle unsere Bestrebungen sind letztlich nur halbherzig, wenn sie nicht eine herrschaftsfreie Perspektive vermitteln können. Einen wichtigen Schritt sehen wir daher im Aufbau einer anarchistischen Föderation, die einen spürbaren gesellschaftlichen Einfluss entwickeln kann. Gesellschaft müssen wir dabei definitiv anational begreifen. Insofern ist es unbedingt notwendig, uns mit entsprechenden Bewegungen in anderen Ländern auseinander zu setzen und zusammenzuarbeiten, eine Aufgabe, die in einem organisierten Rahmen wesentlich besser zu bewerkstelligen ist. Aus diesen Gründen heraus sind wir dem Forum deutschsprachiger Anarchist_innen, einer Iniative zum Aufbau einer Föderation im deutschsprachigen Raum, beigetreten. Diese ist wiederum Teil der Internationalen der Anarchistischen Föderationen.
Siehe dazu auch http://afb.blogsport.de/